2. Bundesliga, Frauen:
Ein Abschied mit ganz viel Herz
Lisa Wieder beendet nach der Saison ihre Handballkarriere
Die Kapitänin der SG Nürtingen-Zizishausen verabschiedet sich nach mehr als einem Jahrzehnt im Verein vom aktiven Handball. Eine prägende Zeit voller sportlicher Erfolge, persönlicher Entwicklung und enger Verbundenheit geht zu Ende.
Manche Geschichten sind weit mehr als eine sportliche Laufbahn. Sie erzählen von Freundschaften, gemeinsamen Erfolgen, persönlichen Entwicklungen und einem Verein, der über die Jahre zu einem zweiten Zuhause wird. Die Geschichte von Lisa Wieder und der SG Nürtingen-Zizishausen ist genau so eine Geschichte. Zum Ende der laufenden Saison wird die Kapitänin der Neckarmädels ihre aktive Handballkarriere beenden und sich neuen Lebensabschnitten widmen.
Als Lisa Wieder im Alter von gerade einmal 16 Jahren nach Nürtingen kam, konnte sie wohl kaum ahnen, wie prägend diese Entscheidung für ihr Leben werden würde. Was als sportlicher nächster Schritt begann, entwickelte sich zu einer außergewöhnlichen Reise, die sie über mehr als ein Jahrzehnt begleiten sollte. Sie wuchs in Nürtingen nicht nur sportlich, sondern auch persönlich heran – vom jungen Talent zur erfahrenen Führungsspielerin und schließlich zur Kapitänin einer Mannschaft, die sie über viele Jahre entscheidend mitgeprägt hat.
Dabei war Lisa Wieder stets mehr als eine Spielerin auf dem Feld. Sie stand für Verlässlichkeit, Einsatzbereitschaft und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Sie erlebte die Entwicklung der TG Nürtingen, feierte große Erfolge, musste Rückschläge verkraften und ging gemeinsam mit ihren Mitspielerinnen durch Höhen und Tiefen. Als langjährige Spielerin und Kapitänin ist sie zu einer prägenden Persönlichkeit des Nürtinger Frauenhandballs geworden.
Eine bewusste Entscheidung für einen neuen Lebensabschnitt
Die Entscheidung, ihre Karriere zu beenden, ist Lisa Wieder nicht leichtfertig gefallen. Bereits bei ihrem letzten Vertragsgespräch hatte sie angedeutet, dass sich ihre aktive Zeit langsam dem Ende nähern könnte. Nun fühlt sich der Zeitpunkt richtig an.
„Jahrelang war Handball Priorität Nummer eins. Mittlerweile muss man eingestehen, dass sich Prioritäten auch jetzt schon verschieben“, erklärt Lisa. Neben dem Handball nehmen ihr Lehramtsstudium, ihre Arbeit und die Pflege sozialer Kontakte längst einen großen Teil ihres Alltags ein. Mit dem bevorstehenden Studienabschluss im September 2027 rückt ein neuer Lebensabschnitt näher – einer, in dem sie sich bewusst mehr Raum für andere Dinge schaffen möchte.
Auch die körperliche Belastung spielt bei dieser Entscheidung eine Rolle. Vor allem ihre Knie machen sich immer wieder bemerkbar. Für Lisa ist deshalb klar, dass es nicht darum geht, so lange wie möglich weiterzumachen, bis der Körper irgendwann nicht mehr mitspielt. Vielmehr möchte sie ihre Karriere selbstbestimmt und in einer guten körperlichen Verfassung beenden.
„Warum bis zum Kaputtmachen Handball spielen, wenn man es auch selbstbestimmt und in guter körperlicher Verfassung machen kann?“, beschreibt sie ihre Gedanken zu diesem Schritt. Künftig möchte sie sich auf ihre berufliche Laufbahn konzentrieren, mehr Zeit mit Familie und Freunden verbringen und die Möglichkeit nutzen, die eine oder andere Reise zu unternehmen. Es ist eine Entscheidung für neue Möglichkeiten und für mehr Zeit abseits des Handballfeldes – ohne dabei die Bedeutung dieses Sports für ihr bisheriges Leben aus den Augen zu verlieren.
Nürtingen – mehr als ein Verein
Wenn Lisa Wieder auf ihre Zeit bei der TG Nürtingen und der SG NTZ zurückblickt, wird deutlich, wie eng ihre persönliche Geschichte mit dem Verein verbunden ist. „Ich bin mit 16 Jahren nach Nürtingen gekommen, durfte hier als Mensch reifen und erwachsen werden“, sagt sie. Es sei eine lange Reise mit vielen Höhen und Tiefen gewesen, auf der zahlreiche Trainer, Mitspielerinnen und Weggefährten sie begleitet hätten. Ihnen allen sei sie sehr dankbar.
Besonders am Herzen liegt ihr das familiäre Umfeld, das sie in Nürtingen über all die Jahre erlebt hat. Die offene und unterstützende Art im Verein habe ihr stets ein gutes Gefühl gegeben. Es sind nicht allein die Spiele, Tore oder Tabellenplätze, die bleiben werden, sondern vor allem die Menschen und die gemeinsamen Erlebnisse. „Der Verein und die Zeit in Nürtingen haben mich definitiv zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin“, blickt Lisa dankbar zurück.
Diese Worte beschreiben, was ihre Geschichte so besonders macht. Denn während sich Mannschaften verändern, Trainer kommen und gehen und neue sportliche Herausforderungen warten, sind es die zwischenmenschlichen Verbindungen, die einen Verein zu einer Heimat machen. Für Lisa Wieder war Nürtingen genau das.
Erinnerungen, die bleiben
Natürlich gehören zu einer so langen Karriere auch besondere sportliche Momente, die für immer in Erinnerung bleiben. Ganz oben auf Lisas persönlicher Liste stehen die Meisterschaft und der Aufstieg in die 2. Bundesliga in ihrem ersten Jahr in Nürtingen. Ein Erfolg, der den Grundstein für viele weitere gemeinsame Jahre legte.
Unvergessen bleibt für sie außerdem das Pokalspiel gegen Metzingen. Auch ihre Erfolge außerhalb des Vereins haben sie nachhaltig geprägt: die Deutsche Meisterschaft mit der HVW-Auswahl im Jahr 2013 sowie die Länderspiele, die sie in der Jugend- und Juniorinnen-Nationalmannschaft für den Deutschen Handballbund absolvieren durfte.
Ein letztes Kapitel – und große Dankbarkeit
Noch ist die gemeinsame Reise nicht zu Ende. Bis zum Saisonabschluss wird Lisa Wieder das Trikot der SG Nürtingen-Zizishausen tragen, Verantwortung als Kapitänin übernehmen und gemeinsam mit ihrer Mannschaft die sportlichen Ziele verfolgen. Die verbleibenden Monate bieten noch einmal Gelegenheit, gemeinsam auf dem Feld alles zu geben und eine besondere Zeit gebührend ausklingen zu lassen.
Die SG Nürtingen-Zizishausen bedankt sich bei Lisa Wieder herzlich für ihren außergewöhnlichen Einsatz, ihre Leidenschaft und die vielen gemeinsamen Jahre. Ihr Weg im Verein geht weit über den Handball hinaus. „Lisa ist und bleibt ein Teil unserer Handball-Famile.“


